Albanien setzt bei Kampf gegen Korruption auf Künstliche Intelligenz
Albaniens Premierminister Edi Rama denkt dabei auch laut über ein vollständig KI-geführtes Ministerium nach. „Ohne Vetternwirtschaft, ohne Interessenkonflikte – vielleicht sogar mit einer komplett digitalen Regierung“, sagte Rama.
Schon heute ist KI fester Bestandteil der Verwaltung. Sie analysiert in Echtzeit Steuer- und Zolldaten, überwacht Baustellen, Strände und ländliche Gebiete mit Drohnen, um illegale Aktivitäten zu erkennen, und unterstützt die Polizei im Straßenverkehr mit Gesichtserkennung. Auch im Gesundheitswesen, in der Bildung und bei der digitalen Identifizierung von Bürgern soll KI bald eine größere Rolle spielen, berichtet aktuell Politico über den Aufbruch in Albanien.
Die Technologie kommt zudem beim EU-Beitrittsprozess zum Einsatz: KI-gestützte Übersetzungen und Abgleiche zwischen albanischem Recht und dem umfangreichen EU-Rechtsbestand sollen die Verhandlungen beschleunigen. Ziel ist, den Prozess in fünf statt in sieben Jahren abzuschließen. Unterstützung erhält Albanien dabei von Mira Murati, der in Albanien geborenen früheren Technikchefin von OpenAI.
Doch es gibt auch warnende Stimmen. Oppositionspolitikerin Jorida Tabaku mahnt, KI sei nur so gut wie ihre Programmierer – und könne in den falschen Händen ein digitales Deckmäntelchen für alte Missstände sein. Auch Experten wie Gerond Taçi betonen, dass Infrastruktur, Fachkräfte und klare gesetzliche Rahmenbedingungen noch fehlen.
Rama verfolgt dennoch ehrgeizige Pläne: Bis 2030 soll Albanien nahezu bargeldlos sein, und bereits heute laufen 95 Prozent aller Bürgerdienste online über die Plattform e-Albania. Die Balance zwischen technologischem Fortschritt und rechtsstaatlicher Kontrolle dürfte entscheidend dafür sein, ob KI Albaniens Sprung nach Europa gelingt – oder alte Probleme nur modern verpackt werden.