Putzdienste und schlechtes Essen: Ukraine-Flüchtlinge beklagen Missstände in Unterkunft
Ukrainische Kriegsflüchtlinge erheben schwere Vorwürfe gegen die Leitung einer städtischen Gemeinschaftsunterkunft in Jena-Lobeda. In einem Offenen Brief, unterstützt von der Stadtteilgewerkschaft „Lobeda Solidarisch“, sprechen die 76 Bewohner von „eklatanten Missständen“ und fordern eine menschlichere Behandlung.
Laut Schreiben kommt es zu willkürlichen Zimmerdurchsuchungen, Taschenkontrollen, aggressivem Verhalten von Sicherheitskräften und Bestrafungen durch zusätzliche Putzdienste. Zudem würden wichtige Briefe vorenthalten. Kritik üben die Bewohner auch an der Heimleitung, die angeblich gezielt russischsprachiges Personal entlassen habe.
Stadt spricht von „Einzelmeinung“
Ein weiterer Streitpunkt ist die Verpflegung: Jeder müsse monatlich 150 Euro für Essen zahlen – unabhängig davon, ob es angenommen werde. „Wir dürfen nur eingeschränkt kochen, Hygienestandards werden nicht immer eingehalten“, heißt es. Auch fehlender Spielraum für Kinder, geteilte Zimmer trotz Krankheit und mangelnde Kita- oder Schulplätze werden bemängelt. Die Hauptforderung: ein Wechsel der Leitung und mehr Selbstbestimmung.
Nach Angaben der Gewerkschaft wurden die Forderungen in mehreren Versammlungen mit bis zu 20 Bewohnern gemeinsam formuliert. Die Gruppe fordert unter anderem Einzelzimmer für alle Erwachsenen, passende medizinische Diäten sowie eine bessere Unterstützung bei der Wohnungssuche.
Die Stadt Jena weist die Vorwürfe als „Einzelmeinung“ zurück. „Respektloses Verhalten konnten wir nicht feststellen“, so Sprecherin Stefanie Braune. Die Gewerkschaft widerspricht: Die Kritik sei das Ergebnis mehrerer Versammlungen. Ein Krisentreffen soll nun klären, wie es weitergeht.